„Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt!“

Frankfurt am MainDemnach sollten die Auftritte von CAKE im März nicht die einzigen in Europa bleiben, denn die Band spielte Anfang Juli erneut in Europa und dieses Mal sogar auf heimischen Boden – in der Essigfabrik in Köln. Köln liegt zwar nicht gerade um die Ecke, aber im Vergleich zu London oder gar Kalifornien ist es dann doch nur eine geringe Entfernung. Geschickter Weise liegt auf dem Weg dorthin auch noch Frankfurt und somit bot sich die Tour an auch mal wieder liebe, aber selten besuchte Menschen wieder zu sehen.

Praktisch und ökologisch sinnvoll bot sich eine Fahrt mit dem Zug an. An die obligatorischen 10 Minuten Verspätung und die umgekehrte Zugreihenfolge hat man sich mittlerweile ja schon gewöhnt. Die schlechte Luft und die Temperatur im Wagon waren dann allerdings wirklich etwas unangenehm. Nach knapp 1½ Stunden erklärte der Schaffner dann auch warum: Die Klimaanlage in jenem Zugteil war defekt und dieser müsse geräumt werden, da ansonsten der Zug nicht weiterfahren könne. Die Sitzplatzreservierung hatte sich damit natürlich auch in (schlechte) Luft aufgelöst. Aber zum Glück gab es noch ein paar freie Sitzplätze und so wurde die Fahrt klimatisiert und mit frischer Luft fortgesetzt. Hauptbahnhof FfmDach

In Frankfurt selbst habe ich dann zwei Tage verbracht und in dieser Zeit liebe Menschen wieder gesehen, „Handkäs‘ mit Musik“ Handkäs' mit Musikund Grüne Soße gegessen, wobei der Handkäs‘ weniger schlimm als erwartet war, die grüne Soße meiner Meinung nach zu Hause definitiv besser schmeckt. Dafür waren wiederum die Käsenocken sehr deliziös. Habe ich denn die ganzen zwei Tage nur geschlemmt? Sieht so aus…

Naja, gut gesättigt ging es dann am Freitag weiter in Richtung Köln Köln– dieses Mal pünktlich und klimatisiert. In Köln angekommen, bin ich erst einmal in Richtung Jugendherberge DJH Köln-Deutzgezogen, welche meine Unterkunft für eine Nacht sein sollte. Dort angekommen, wurde ich sogleich von einer Frau angesprochen, die mich direkt aufgrund meines CAKE-T-Shirts als Besucher des abendlichen Konzerts identifiziert hatte. „Was das denn für eine Band sei?“ Da fahren Leute nach Köln, beziehen „mit einem Bekannten“ in einer Jugendherberge ein gemeinsames Zimmer und besuchen ein Konzert einer Band, von denen sie nur ein Lied aus den 90ern kennen. Leute jibt ett…

Also, eingecheckt, Zimmer gesucht, gefunden, aufgeschlossen, eingetreten und fast vor Übelkeit umgefallen. Ein junger Gast in jenem Vierbettzimmer war schon vor mir dort, lag im Bett und lies sich von mir genauso wenig irritieren, wie vom Gestank seiner Füße. Ich habe also in den folgenden zehn Minuten das Nötigste umgepackt, das Bett bezogen und dabei jedes unnötige Luftholen vermieden. Das kann ja eine heitere Nacht werden…

Rheinblick ohne WurstbudeWieder zurück an der frischen Luft suchte ich erst einmal die Location des heutigen Abends. Auf dem Weg dorthin sprachen mich drei Belgier an, welche mich ebenso am T-Shirt als CAKE-Besucher ausgemacht hatten. Zusammen haben wir uns dann auf den Weg zur Essigfabrik gemacht und uns nebenbei gut unterhalten. Das waren wenigsten Fans der ersten Stunde und hatten auch schon mehrere CAKE-Konzerte besucht. An der Essigfabrik angelangt, waren es aber noch gute 2½ Stunden bis zum Einlaß und die Belgier hatten sowieso noch etwas Durst. Also sind wir wieder in Richtung Stadt gezogen und die Drei wollten schließlich auf ein angelegtes Schiff um ihren Durst zu stillen. Ich verabschiedete mich, da ich noch etwas in die Stadt selbst wollte. NobelbautenSo führte mich mein Weg über die Severinsbrücke über den Rhein und ich konnte dort einige Neubauten und schick restaurierte Gebäude bewundern. GewagtDiese Wohngegend ist sicherlich nicht für jeden Geldbeutel gedacht, wirkt dafür aber auch recht nobel. Teilweise sogar doch etwas zu übertrieben, denn einen Yachthafen Yachthafenhinter’m Haus bräuchte ich dann auch nicht. Da die Zeit für einen ausgiebigeren Stadtspaziergang aber dann doch etwas zu knapp geworden wäre, machte ich mich auf den Rückweg zur Essigfabrik und wartete dort mit einigen anderen auf den Einlaß.

Rheinufer8XKranDas Gelände der Essigfabrik ist ein recht ruhiges Hafen-Industriegebiet und somit konnte ich mir die restliche Zeit mit etwas AbstiegBacksteinfassadeAufstiegPhotographieren vertreiben oder einfach etwas am Kai in der Sonne liegen. Irgendwann kam sogar John McCrea mit einem anderen Typen heraus, verschwand dann aber bald wieder. Einmal den Meister aus der Nähe gesehen. Juhu!

KranJohn McCrea (links)19:00h – Einlaß. In der Schlange, 10 Metern vor der Security, fällt beim herauskramen der Eintrittskarte auf, daß ich mein Taschenmesser noch bei mir trage – aber zum Glück nehmen sie es mit den Kontrollen nicht sonderlich genau und winken mich einfach durch. Drinnen angekommen, ist es angenehm kühl und dunkel. Ein Früh ist jetzt genau das richtige. Mit der Zeit füllt sich die nicht gerade große Halle von etwa 632m². EssigfabrikNo FireKurz vor Beginn des Konzerts ist die Halle dann auch gefüllt und auch die Belgier haben den Weg wieder zurück gefunden. Wie auch schon in London wurde die gleiche Musik vom Band gespielt, darunter auch „Ka“ aus dem Dschungelbuch – nur eben auf englisch. Um kurz nach 20:00h beginnt dann die Show.

Sie beginnt wie auch schon im Troxy wieder mit der Hymne, welche ich hier schon für Rocky XVII in Erwägung gezogen hätte. Wie mir die moderne Technik vor Ort verraten hat, IST es tatsächlich eine Rocky-Filmhymne – allerdings „nur“ von Rocky IV (Vince DiCola – War). Egal, auf jeden Fall ist es wieder eine Freude in die Gesichter der anderen Zuschauer zu blicken und man erkennt sofort jene, die dieses Vorspiel bereits kennen und jene, die nach einer Weile einfach nur irritiert sind. Aber alles hat irgendwann ein Ende und so betritt mit den letzten Klängen dieser Fanfare die Band die Bühne und fängt mehr oder weniger direkt an zu spielen. Die Band spielt zu anfangs ein paar Sachen aus dem neuen Album und gibt danach ihr Werk aus den vergangenen 20 Jahren zum Besten. Auch wenn die Technik etwas streikt, ist John McCrea für seine Verhältnisse gut gelaunt, die Menge geht mit, kennt so ziemlich jedes Lied und nach drei Stunden kann man fast den Eindruck gewinnen, er sei sogar ein klein wenig gerührt. Auf jeden Fall wurde wieder ein (Apfel-)Baum unter die Leute gebracht und ich glaube, trotz der kurzen Zugabe hatten alle ihren Spaß.

Nachdem also die Drumsticks in’s Publikum geflogen sind und somit das Konzert offiziell für beendet erklärt wurde, ging es in die laue Nacht hinaus. Mit einem guten Gefühl in Bauch, Ohren und Beinen ging es zu Fuß wieder zurück zur Jugendherberge. Auf dem Weg dorthin wurde ich noch von einem Pärchen nach dem Weg zu einer Kneipe gefragt. Gesucht wurde die das „Lommerzheim„. LommerzheimDa ich nicht mit detaillierter Ortskunde glänzen konnte, bemühte ich die moderne Technik, welche sich im ersten Moment aber auch nicht als hilfreich erwies, da die Kneipe angeblich „Lommertzheim“ heißen sollte. Daher musste ich die beiden zunächst vertrösten und sie zogen weiter. Allerdings schaute ich dann doch noch einmal in der allwissenden Müllhalde und die brachte natürlich das gesuchte Ergebnis zu Tage. Also den beiden noch einmal zwei Straßen Altes HausRaucher(in die falsche Richtung) hinterher gejoggt und sie zum richtigen Ort gelotst. Letzten Endes wirkte die Kneipe außerordentlich urig und war auch gut besucht und wäre an sich schon einen Besuch wert gewesen. Als Dank für meine Dienste habe ich sogar ein freies Kölsch erhalten und auch genossen. Aber ich verabschiedete mich auch bald um auf der Straße fest zu stellen, daß sich die Kneipe genau auf der Rückseite der Jugendherberge befand – und sie direkt vor meinem Zimmer war.

Im Zimmer angekommen erwartete mich zu aller Überraschung klare frische Luft und ein älterer Herr, der das Zimmer noch einmal kurz verlassen wollte. Also habe ich die Gelegenheit zum Duschen genutzt und mich in’s Bett gelegt um in Ruhe zu Schlafen. Bis der Herr wieder zurück kam und das gleiche machte – allerdings nicht ohne nach fünf Minuten zu Schnarchen was das Zeug hielt. Naja, irgendwann werde ich schon vor Müdigkeit einschlafen – dachte ich zumindest. Eine halbe Stunde später kam ein dritter Bewohner, welcher sich auch direkt bettete. Dieser brauchte vielleicht 10 Minuten bis auch er eingeschlafen war, was ich daran erkennen konnte, daß er sich ebenso lautstark in das Schnarchorchester einbrachte. Geschickter Weise auch noch arythmisch zum anderen Schnarcher. Sehr schön! Zum Glück hatte ich Mobiltelefon und meine Kopfhörer bei mir und konnte so wenigstens für meine Ohren dem ganzen Getöse etwas entgegen wirken. Etwa eine Stunde später betraten dann auch der vierte Mann das Zimmer und ich wusste nun auch wieder, wem die Käsefüße gehörten. Demnach verbrachte ich eine äußerst unruhige Nacht in der ich mit Kopfhörern im Bett lag und jede kleinste Bewegung vermied, da diese sofort wieder diesen übel, süßen Geruch in meine Nase wehten. Ich kann bis heute nicht sagen, ob ich dieser Nacht geschlafen habe oder nicht.

Um Punkt sieben Uhr bin ich mit dem festen Vorsatz aufgestanden, nie wieder ein Mehrbettzimmer zu beziehen. Ich habe also meine Sachen gepackt und mich auf dem Flur fertig angezogen.
Tief durchatmen. Frühstück. Wenigstens gab es hier ein gutes Frühstück mit allem, was man braucht. Tee, Brötchen und Erdbeermarmelade. Anschließend ging ich noch einmal kurz und ohne Luft zu holen in’s Zimmer zurück um das Bett ab zu ziehen und verbrachte danach die nächste Stunde noch in der Herberge um mein Mobiltelefon wieder mit Strom zu versorgen. Bis zur Abfahrt des Zuges waren es aber immer noch drei Stunden, also zog ich wieder in Richtung Domplatte und schaute mir die Stadt an. Deutzer Brücke IISchlösserSchlösser IIArg beeindruckt war ich ja vom Geländer der Deutzer Brücke. Wenn man in so manchen Städten an Brücken Vorhängeschlösser von Pärchen sieht, so ist das ja schon ganz nett. Aber an der Deutzer Brücke hängt wirklich die ganze Brücke voll Wo er recht hat, hat er rechtDer KönigAltar Kölner Domund an manchen Stellen ist definitiv kein Platz mehr für weitere Schlösser. Wahnsinn. Das dachte sich wahrscheinlich auch der Urheber des Schriftzuges, den er auf der Brücke hinterlassen hatte (siehe Bild). Ansonsten ist der Dom ganz nett, ich habe mich mit einem König unterhalten, noch ein wenig vor verschlossenen Geschäften gestanden und der Versuchung widerstanden, „Echt Kölnisch Wasser“ zu erwerben – auch wenn es jetzt moderner sein soll.

Über den Deutzer Bahnhof ging es dann endlich in Richtung Heimat, klimatisiert und pünktlich und war doch sehr froh wieder im meinem eigenen Bett schlafen zu können.