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Wecker gibt es nicht mehr. Heute lässt man sich stilgerecht durch sein Mobiltelefon wecken – was es um 4:45Uhr aber auch nicht einfacher macht. Der Kopf hebt sich schwer vom verführerischen Kopfkissen, sinkt wieder herab, holt tief Luft, will widerstehen. Vergebens. Der ewige Kampf der Müden. Aber heute muß es sein. Dieses Mal kommt das Taxi schon in 40 Minuten um uns abzuholen. Aber es ist alles gepackt. Die Koffer, Rucksäcke, Ausrüstung, Technik, Tickets, Reiseplan, Bar- und Plastikgeld – alles scheint an Ort und Stelle zu sein. Aber es ist wie immer: eine latente Unsicherheit schwebt über allem.

Egal. Es ist Zeit für das Taxi. Zum Glück hat es aufgehört zu regnen und wir können in der frischen Morgenluft auf das Taxi warten. Das Taxi ist auf die Minute pünktlich und bringt uns wohlbehalten zum Münchner Flughafen, wo wir dann noch ganze 2½ Stunden bis zu unserem Abflug haben. Aber der Teufel ist ein Eichhörnchen habe ich mir mal sagen lassen und daher sind wir lieber zu früh als zu spät dort.

Checkin, Gepäck aufgeben und ab durch die Sicherheitskontrollen. Dort muß ich doch tatsächlich bei allen Objektiven beide Deckel abnehmen und die Linsen so gegen das Licht halten, das der Sicherheitsbeamte hindurch schauen kann. Genau dafür verbringe ich Stunden mit der Reinigung von Objektiven…
Die Zeit bis zum Abflug verbringen wir wie immer mit Frühstück, Leute gucken, herum schlendern und mit dem Belachen aberwitziger Souvenirs.

Der Flug ist pünktlich. Die Sandwiches an Bord der KLM-Maschine sind ungenießbar, aber ansonsten kommen wir gut in Amsterdam an. Aber hier steigen wir nur um und daher brauchen wir für den Weiterflug neue Bordkarten, welche wir an einem der neun Transferschalter bekommen sollen. Der richtige wäre Schalter Nummer drei, aber da kann man uns erst zwei Stunden vor Abflug weiter helfen. Falls dann allerdings der Schalter nicht besetzt sein sollte, so wird uns am entsprechenden Gate geholfen. Und wie zu erwarten, ist der Transferschalter zwei Stunden vor Abflug nicht besetzt – also wieder zurück zum Gate. Da unser Flug aber eben erst in gut zwei Stunden abhebt, befindet sich im Moment die Crew einer ganz anderen Airline am Gate. Also warten. Und dann wieder mal durch den halben Terminal zum Transferschalter laufen und schauen, ob dieser mittlerweile doch wieder besetzt. Ist er nicht. Also wieder zurück, an den Käsetheken für Touristen vorbei, zum Gate und auf das richtige Flugpersonal warten. Oder doch noch mal zum Schalter, denn der Flug geht etwa in einer halben Stunde? Nein. Letzten Endes haben wir dann unsere Bordkarten am Gate bekommen – wenn auch gut 20 Minuten vor Abflug. Und überhaupt, hoffentlich schafft es unser Gepäck auch in den Flieger!

Aber wir sitzen schon mal auf unseren Plätzen. Also beim Beladen des Flugzeugs sind uns unsere Koffer nicht aufgefallen… Der Abflug verspätet sich dann auch noch um 30 Minuten. Letzten Endes rollte die Maschine aber auf’s Flugfeld und hebt ab in Richtung Norden. Es geht endlich nach Island.

Schon gut eine viertel Stunde vor der Landung fliegen wir an der KüsteBlaue LaguneIslands entlang und man schaut auf weite Strecken dunkler Landmasse. Kein Grün, keine Zivilisation. Nichts. Mitten im Nichts auf einmal Wasserdampf mit einem blauen Wasserbecken daneben. Plötzlich wird einem bewußt: Cool, die blaue Lagune! Fünf Minuten landen wir dann auch schon am „Keflavik International Airport“.

Dort geht dann alles ganz zügig, unser Gepäck hat den Weg in den hohen Norden ebenfalls gefunden und wir ziehen weiter zur Autovermietung. Nachdem uns auf einer Karte gezeigt wurde, auf welchen Straßen wir nicht fahren dürfen, bekommen wir unser Fahrzeug. Wir wurden leider nicht „upgegradet“ und bekommen somit den reservierten Toyota Yaris. Auf dem Parkplatz wird dann auch klar weshalb: der halbe Parkplatz steht voll mit Kleinstwagen à la Yaris. Fahrbarer UntersatzWir sollen noch einmal um’s Auto herum gehen und nach Kratzern schauen – Steinschlag wäre unerheblich. Aha. Es ist aber alles ok und somit verstauen wir unser Gepäck, setzen uns in das noch neu riechende Auto mit gerade mal knapp 3000km auf dem Buckel.

Im Auto, auf der Schnellstraße bei max. 90 km/h, hat man das erste Mal richtig Zeit die Landschaft auf sich wirken zu lassen. Das Wetter ist super, aber Island zeigt sich hier äußerst karg und öde und meine Begeisterung hält sich doch in Grenzen. In dieser Ödnis verbringen wir unseren Urlaub? Mit der Zeit gewöhnt man sich aber an die Natur hier. Primär sieht man nur Fels und kaum Vegetation. Moos und Flechten, LandschaftGräser und ab und zu ein kleines Gestrüpp. BerghangNach gut einer halben Stunde jedoch kommt mehr von der heimischen Flora zum Vorschein. Teilweise zieht sich das Grün an Berghängen hoch, mit größerem Buschwerk und teilweise sogar kleinen verwachsenen Bäumen. Wir fahren in Richtung Norden, an Reykjavik vorbei und hinter der Hauptstadt wird es sogar richtig bunt. An den Hängen wird das Grün vielfarbig, teilweise sogar saftig. Rote, gelbe und sogar blaue Flecken stechen dort hervor. Alle paar Kilometer fließt Wasser von den noch teilweise schneebedeckten Gipfeln in kleinen BächenEis-Land die Berge hinunter und wird von dichteren Gewächsen eingefasst. Schafe und Pferde sind an den Hängen zu sehen. Schafe, die auch durchaus diesseits der Zäune und sich meistens erst im letzten Moment von der Straße wegdrehend hin zum Grünstreifen bewegen.

Durch diese Landschaft leitet uns die moderne Technik offline zum nächstgrößeren Ort vor unserer Hütte. Dort finden wir auf Anhieb einen Supermarkt, dessen Inneres enttäuscht, denn das Angebot entspricht nahezu dem Unsrigen. Lediglich einige Produkte sind etwas skandinavischer angehaucht und in den Kühltruhen findet man mehr Lamm und Fisch als in der Heimat. Also decken wir uns mit Wasser, Cola, beinahe deutschem Brot, Toast, Margarine, Erdbeermarmelade, Salami und Klopapier ein und machen uns wieder auf den Weg.

Die Hütte finden wir auf Anhieb, obwohl sie hinter einem See im Seitental Schatzkiste ISchatzkiste IIeines Fjords versteckt liegt. Vor der Reise haben wir noch einen Zahlencode erhalten, welcher uns Zutritt gewähren sollte. Ich dachte in meiner Einfältigkeit an ein elektronisches System, aber weit gefehlt. Neben der Haustür hängt ein kleiner, massiver Kasten mit einem Zahlenschloß. Aha. Nach einstellen der Zahlenkombination und etwas Gefummel kommt dann auch tatsächlich der erhoffte Gegenstand zum Vorschein: der Haustürschlüssel.

Die Lage und der Ausblick sind Idylle pur. Unsere Holzhütte liegt in einer Siedlung von ungefähr zehn anderen Häusern, von denen man aber nichts sieht oder hört. Wir blicken praktisch von der Veranda hinaus auf das Tal, den See, den dahinter gelegenen Fjord und in weiter Ferne erhebt sich sogar der beeindruckende Vulkangletscher SnæfellsjökullSnæfellsjökull. Unsere Unterkunft ist für zwei Personen großräumig und definitiv mit allem ausgestattet, Blick ins Talwas man so braucht – oder auch nicht. Waschmaschine, Trockner, Staubsauger, Fernseher, CD-Player, ja sogar ein Fernglas liegt dort zum allgemeinen Gebrauch herum. Hier wird es sich gut aushalten lassen.

Hütte auf IslandZum Abendessen gab’s Miracoli – frisch importiert von zu Hause. Ab und an hörten wir über unseren Köpfe auf der Veranda einen Vogel, der so klang, als würde er ständig in ein Schilfrohr pusten – aber uns ist leider kein solcher gefiederter Freund mit Strohhalm aufgefallen.

Gegen 22.00Uhr Ortszeit fielen wir dann in’s Bett – und draußen schien die Sonne strahlend hell am Himmel, wie hierzulande um 15Uhr. Wir hätten zwei Wochen buchen sollen.