When you’re on a holiday
You can’t find the words to say
All the things that come to you
And I wanna feel it too


Wir haben unsere erste Nacht im hohen Norden verbracht, wobei der Begriff Nacht aus unserer Sicht eher unzutreffend erscheint, denn „am dunkelsten“ ist es so zwischen 02.00 und 03:00Uhr und die Sonne scheint dann Mitte Juni noch in etwa so, wie zu Hause gegen 19:00Uhr. Aber obwohl die Fenster nur mit einer hellen Gardine verdeckt waren, konnten wie die Schlafbrillen getrost im Koffer lassen, denn wir haben geschlafen wie Murmeltiere.
Und so wirkt auch das Vorhaben aufzustehen, wenn „es hell ist“ relativ aberwitzig. Wir schaffen es dennoch zu einer zivilen Zeit.
Ein Blick aus dem Fenster überrascht und beglückt zugleich: strahlend blauer Himmel! Und wenn das einem nicht die Äuglein öffnet, so ist spätestens das kalte Wasser aus dem Wasserhahn welches direkt vom Gletscher zu kommen scheint – und es wahrscheinlich auch kommt. Aber zum Glück gibt es auch warmes Wasser.

Dank des Brotes und der Erdbeermarmelade wird das Frühstück ein guter Start in den Tag und Island kann kommen.

Für den Tag haben wir eine Tour auf dem Golden Circle (Gullni hringurinn) geplant. Auf dieser Strecke sind ein paar der eindrucksvollsten Highlights im Süd-Westen Islands zu bewundern. Der direkte Weg zum Golden Circle führt weiter in’s Tal hinein in Richtung Þingvallavatn. Allerdings wird die asphaltierte Straße nach knapp 200 Metern zu einer Schotterpiste, auf der wir unserem Toyota maximal 60km/h zumuten können. Dabei fliegen geschätzt alle fünf Sekunden kleine Steinchen gegen das Auto… Aber wie war das? Steinschlag ist ok, nur keine Kratzer! Wahrscheinlich geht es nicht anders, wenn man sich hier fortbewegen will. Das Schöne an den Schotterstrecken wiederum ist, daß man entgegenkommende Fahrzeuge schon von Weitem an ihrer Staubwolke erkennt. Der Nachteil hingegen zeigt sich darin, daß man für die Einheimischen wohl immer noch zu langsam fährt und dann in der Wolke des Überholenden fahren darf.

Wiedemauchsei, nach etwa 25 Minuten greifen die Reifen wieder auf festen Asphalt und die Fahrt geht angenehm weiter. Auch auf dieser Strecke wiederholen sich die Bilder: Links und rechts Weiden mit Schafen oder Pferden, dahinter Berghänge. Die Schafe befinden sich auf beiden Seiten des Zauns, aber zum Glück nicht auf der Straße.
SteintürmchenUnterwegs sind markante und sehenswerte Orte mit einem bestimmten Zeichen auf Schildern markiert und unserer erster Halt ist eine Parkbucht mit schönem Blick über den Þingvallavatn („Þing“ wird gesprochen wie „think“). Zahlreiche Touristen haben sich an dieser Stelle schon mit kleinen Steintürmchen verewigt und es werden für die nächsten Tage nicht die einzigen bleiben die wir zu sehen bekommen.

Weiter führt uns der Golden Circle am Þingvallavatn entlang bis hin zu einem der berühmtesten Punkte Islands, an denen es ausnahmsweise gerade nicht brodelt, blubbert oder kocht: dem Þingvellir. Island existiert, weil genau an jener Stelle die Eurasische und die Nordamerikanischen Kontinentalplatten auseinander driften. Somit ist Island gerade einmal 17-20 Millionen Jahre jung und der Prozess setzt sich immer noch quer durch die gesamte Insel gemächlich mit einer Geschwindigkeit von 2 Zentimetern pro Jahr fort. Das Þingvellir nun ist einer der eindrucksvollsten Zeichen dieser Bewegung der Kontinentalplatten, da sich hier im Laufe der Zeit ein riesiger Graben zwischen den Platten gebildet hat.

Beeindruckt davon waren wohl auch die ersten Wikinger und seit dem Jahre 930 wurde an dieser Stelle das alljährliche Alþing abgehalten, eine Art gesetzgebende Versammlung ähnlich einem Parlament. Hier wurde auch im Jahre 1000, nicht zuletzt aufgrund des Drucks des norwegischen Königs, die Christianisierung Islands beschlossen. Um aber keinen Krieg untereinander zu riskieren, durften die Isländer dennoch frei ihren Glauben wählen und weiterhin den alten Göttern huldigen. Liberales Skandinavien.

Nun, an dieser geografisch und historisch imposanten Stelle tummeln sich dann eben auch zahllose Touristen, die auch gerne mal durch den Tourishop das Informationszentrum streifen. Sogar ein Bus aus Landshut haben wir dort gesehen. Also nicht nur die Reisenden, sondern der ganze Bus war aus Landshut!

Aber zum Glück ist das Gelände recht weitläufig und man entkommt den, meist in Trauben geführten, Touristen schnell und hat sogar Zeit diese Landschaft in Ruhe auf einen wirken zu lassen. Die Þingvellirnordamerikanische Kante der Kontinentalplatte ist der markante Punkt an dieser Stelle. Sie erhebt sich in bis etwa maximal 20 Metern Höhe und mit einer Länge von ein paar Kilometern vor einem und an ihrem Fuß erstreckt sich der Þingvallavatn in’s Land. Die lange Felswand hebt sich dunkel vom strahlend blauen Himmel dahinter ab und darunter strahlt leuchtendes Grün und eine ausgiebige Vegetation. In der Ebene vor dem See steht noch eine schöne weiße Kirche, an deren Stelle angeblich die Bekehrung zum Christentum beschlossen wurde.

Nach einem kleinen Spaziergang, etwas Rast, etlichen Photos, ein paar meckernden Wildgänsen ging es nach insgesamt 2½ Stunden zurück zum Auto, denn das war ja gerade mal die erste Station auf unserem Abschnitt des Golden Circle.

Der nächste Punkt sollte ein Feld mit Geysiren sein. Allerdings kamen wir nicht umhin, mehrfach mit dem Auto rechts ran zu fahren und die herrliche Landschaft zu genießen. Außerdem knurrte mit der Zeit etwas der Magen und wir machten am Fisch?Laugarvatn Halt und kehrten in ein Restaurant mit dem Namen Lindin ein. Dort konnte man auf der Speisekarte dann wählen zwischen Fisch und Lamm. Die Speisen waren letzten Endes ganz gut, wenn auch nicht ganz preiswert. Aber so oft hatten wir sowieso nicht vor Essen zu gehen und es war auch mal ganz interessant. Brot in Metallbechern…
Etwa 50 Meter vor dem Strand lag auf einer Palette ein Fischskelett, aber wir konnten leider nicht in Erfahrung bringen welcher Art er war.

Zurück auf der Straße erreichten wir eine Stelle, an der die Straße erneuert wurde – auf den folgenden 5 Kilometern. somit fuhren wir wieder mit höchstens 60 km/h auf Schotter und kamen uns aufgrund des höheren Verkehrsaufkommen schon etwas vor wie in einer Wüstenrallye. Hier wäre ein geländegängiges Fahrzeug dann schon von Vorteil gewesen, aber da die Straßen in der Regel gut befestigt waren, tat’s der Yaris auch. Übrigens sieht unterwegs auch durchaus Fahrzeuge, bei denen ich auf deutschen Straßen klar auf die Diagnose Erektile Dysfunktion getippt hätte. Geländewagen, die einfach mal so in jeder Dimension doppelt so groß waren wie unser Yaris und auch mit zwei Parkplätzen und dem Bordstein immer noch zu groß waren. Aber mittlerweile würde ich auch eingestehen, daß es auf Island tatsächlich Stellen geben mag, an denen man nur mit solchen Ungetümen voran kommt.

Auf jeden Fall brachte uns unser Kleinstwagen heil zu den Geysiren. Ein Feld, das nur knapp 100 Meter von der Straße entfernt lag und an mehreren Stellen schon kochte und brodelte. Ein klein wenig mulmig ist einem dann ja schon, Litli Geysirwenn man bedenkt, das nicht allzu weit unter einem die Erde so heiß ist, das sie Wasser nicht nur zum Kochen bringt, sondern auch zehn Meter weit in die Luft schießt. Doch wie sagen die Kölner: „Et hätt noch immer jot jejange!“
Dementsprechend konnten wir auch dieses Naturschauspiel bewundern und wie alle anderen auch photographisch festhalten. Leider war dieser Geysir alles andere als vorhersehbar und so kniet man unter Geysirumstanden zehn Minuten vor einem Loch im Boden und wartet vergebens auf die Fontäne und wenn man natürlich die Kamera mal zur Seite nimmt um sich zu strecken, dann geht der Geysir natürlich los. Naja, eindrucksvoll war es allemal. Dabei haben wir auch noch ein Pärchen aus Finnland kennen gelernt, die mit einem kleinen Stoff-Nilpferd (Virtanen) durch die Welt ziehen und es an den verschiedensten Plätzen ablichten. Leute jibt ett… :D

GullfossWeiter ging es zum Gulfoss, der dann auch nicht mehr allzu weit entfernt war. Die Straße führt einen zu einem Parkplatz auf einer Ebene und man fragt sich, wo denn hier bitte schön ein Wasserfall sein soll? Sobald man aber aus dem Auto gestiegen ist, nimmt man schon ein kraftvolles Rauschen war, welches unmissverständlich zu einem Wasserfall gehören muß. Gullfoss IIUnd der Gulfoss ist ein wahrlich gewaltiger Wasserfall, mit dem auf zwei Stufen knapp 130 m³ Wasser pro Sekunde in die Tiefe stürzen. Durch die Ebene erstreckt sich ein großer Fluß, der auf einmal eine erste Stufe in einen Canyon fällt. Eine begehbare Felsplateau erstreckt sich in diese erste, 11 Meter hohe Stufe hinein, so daß das Wasser um einen herum fließt und hinter einem weitere 21 Meter hinab fällt. Dementsprechend beeindruckend ist alleine schon die Gullfoss IIIGullfoss IV Geräuschkulisse, welche sich in einem unglaublichen Getöse und Rauschen ausdrückt. Vom oberen Rand hat man aber auch einen sehr guten Ausblick auf dieses Naturschauspiel und kann den Anblick mit etwas mehr Ruhe genießen. Letztlich blieben wir auch hier länger und haben uns von dem Naturschauspiel berauschen lassen.

Auch hier gibt es ein Informationszentrum, das aber mehr das Fast-Food-Bedürfnis und die Sehnsucht nach Gestricktem befriedigt. Und die Fellmütze stand mir auch ganz gut und das Tier ist ja eh schon tot…?! Aber nein, ich habe verzichtet, auch wenn der nächste Winter bestimmt wieder kalt wird.

Und so machen wir uns auch so langsam auf den Heimweg. Auf dem Heimweg kommen wir zu der Erkenntnis, das man locker einen Bildband über die hässlichsten seltsamsten Kirchen des Landes heraus bringen könnte. Seltsam im Sinne von hoch modern bis hin zu total abgedreht und, ich muß es doch sagen: grottenhässlich.
Egal. Wir kommen noch bei Tageslicht an unserer Hütte an – ein running gag, des sich die ganze Woche über halten wird und für Lacher sorgt.

Also kommen wir nach Hause, der Kamerachip ist fast randvoll, das Abendbrot wartet. Es ist nach elf, die Sonne steht am Himmel.