On an island in the sun
We’ll be playing and having fun
And it makes me feel so fine
I can’t control my brain


Es war wieder mal eine helle Nacht. Wann man wohl wieder eine schöne dunkle Nacht mit Sternenhimmel erleben wird?

Heute hieß es zeitig aufstehen, denn wir haben eine Verabredung zum Schnorcheln an der Silfra-Spalte. Also, raus aus den Federn, duschen, Frühstück wie gewohnt und ab in’s Auto. Wieder führt uns der Weg über die Schotterpiste von gestern in Richtung Þingvallavatn, aber jetzt weiß man wenigstens wie lange man noch vor sich hat.

Wir haben uns mit einem Isländer an einer Servicestation in der Nähe des Þingvallavatnellir verabredet und finden ihn auch nach ein paar Minuten. Mit von der Partie ist noch eine Amerikanerin, die ebenfalls dort in der Spalte schnorcheln will. Gemeinsam fahren wir noch 5 Minuten in Richtung Þingvallavatn und halten gute 20 Meter vor dem Einstieg.
Bevor es erst einmal an das Umkleiden geht, werden wir auch zu dem Einstieg geführt und erfahren dort etwas zur Silfra-Spalte.

Wie man schon vermuten kann, so ist auch diese Spalte durch das Auseinanderdriften der tektonischen Platten Nordamerikas und Eurasiens entstanden. Sie ist gut 60 Meter tief und verbreitet sich pro Jahr um ungefähr 7mm. Mal von dem Gefühl abgesehen, gerade zwischen zwei Kontinentalplatten zu schwimmen, ist das klare Wasser mit einer Sichtweite von bis zu einhundert Metern eines der Besonderheiten. Das Wasser kommt vom 50 Kilometer entfernten Gletscher Langjökull und benötigt zwischen 30 und 100 Jahre bis es an der Silfra-Spalte wieder austritt. Demnach ist das Wasser nicht nur gefiltert wie wohl kein anderes, sondern auch mit 2-4°C saukalt.

Das ist dann auch der Grund, warum wir zurück zum Auto gehen und uns umkleiden. Wir haben die Wahl zwischen Dry- und Wet-Suits. Im Drysuit kann man nicht nur seine untere Montur anlassen, sondern es klingt einfach beim Gedanken an die niedrigen Wassertemperaturen wesentlich vertrauensvoller.
Die erste Schicht besteht aus einem Fleece-Overall, der einen aussehen lässt, wie ein Teddybär. Fehlt nur noch die Fellmütze mit Ohren.
Weiter geht es mit dem eigentlichen Anzug. Die Ankleide hat dann allerdings doch seine Tücken, beginnend mit den engen Fußteilen, über den starren Stoff an sich bis hin zu dem engen Gummikragen, für den man eigentlich mal so eben seinen Kopf abschrauben müsste um ihn später wieder drauf schrauben zu können. Zumindest sorgt das allgemeine Rumhampeln, Biegen, Zerren und gelegentliche Umfallen für eine ausgelassene Stimmung. Wenn dann alles halbwegs sitzt, kommt die Kopfhaube, Schuhe und die Handschuhe hinzu. Et voilá, fertig ist der Schnorchler. Allerdings sehen wir noch etwas aus wie Michellin-Mänchen mit der ganzen Luft in unseren Anzügen. Aber hier weiß unser Begleiter Rat: Den Kragen etwas weiten, in die Hocke gehen und die Arme fest an den Körper pressen und somit die meiste Luft heraus lassen. Gesagt, getan. Danach fühlt man sich wie in Vakuum verschweißt, aber wir wollen im Wasser ja auch nicht so aussehen wie ein Wasserball.

Nach all den Vorbereitungsanstrengungen geht es nun wieder zurück zur Einstiegsstelle. Mittlerweile tummeln sich schon mehrere Tauchgruppen vor Ort, aber wir sind die ersten, die hinein dürfen. Es gibt noch kleine Tips zum Schnorcheln mit der Bitte, nicht die Felsen oder den Grund zu berühren, da es das ansonsten für die nachkommenden Taucher Essig wäre mit dem klaren Wasser. Klar. Also noch einmal kräftig in die Tauchbrille gespuckt und los geht’s.

Drysuit hin oder her: es ist kalt. Aber ich will mir gar nicht vorstellen, wie es sich ohne anfühlen würde. Ähnlich wie Ötzi die letzten 5300 Jahre wahrscheinlich. Ein weiteres Problem ist die Mobilität, da immer noch recht viel Luft im Anzug steckt und man fühlt sich trotz des Entlüftens wie ein Sack Luft im Wasser. Nachdem man sich an die Temperatur und an das Bewegen im Anzug aber gewöhnt hat, beginnen wir die Tour.

Schon der erste Blick unter Wasser ist schon faszinierend. Links (Eurasien) und rechts (Nordamerika) Silfra-Spaltesieht man massive dunkle Felswände und dazwischen leuchtet einem das Wasser in einem unglaublich tiefem Blau entgegen. Stellenweise geht dieses Blau auch in ein schönes Grün über. Auf jeden Fall lassen einen diese Farben nicht mehr los. Der Grund kommt mit der Zeit mal näher und verschwindet auch wieder in dem blauen Wasser. Teilweise tun sich am Grund auch riesige Felsbrocken auf.
„Ist das kalt hier!“ Bewegung macht warm, also weiter. Unser Weg führt uns auch an Stellen, an denen das Wasser relativ flach ist, der Boden hell und somit das Wasser in’s Türkis übergeht.

Der ganze Spaß dauerte vielleicht gerade einmal 20 Minuten, aber es war schon sehr faszinierend. Aber länger hätte ich es aufgrund der niedrigen Temperatur wahrscheinlich auch nicht ausgehalten. Zum Glück hat die Amerikanerin vor mir gekniffen. Also geht es an einem flachen Felsen wieder aus dem Wasser heraus und wir gehen zurück zum Einstieg. Auf dem Weg dorthin fragte ich mal unseren Begleiter, ob denn auch ein paar ohne Anzug hier schwimmen würden. Klar, nur mit Badehose, aber allzu lange würde das hier auch keiner machen. Beruhigend.

Als wir dann wieder am Einstieg ankommen, gibt es noch eine Art Taufe für halbwegs Mutige: ein Sprung in’s Wasser von einer etwa 5 Meter hohen Felsspitze. Naja, mit Anzug kann das ja nicht so wild sein – dachte ich. Was ich allerdings nicht bedachte ist die Tatsache, daß durch den Anzug der Körper auch kein Gefühl hat wann er in das Wasser eintritt und somit das Atmen kurzzeitig einstellen sollte. Vielleicht war es aber auch einfach das eiskalte Wasser im Gesicht, was mich hat Einatmen lassen. Auf jeden Fall habe ich unter Wasser noch einmal „Luft geholt“ und wer sich an seine ersten Schwimmversuche erinnert, der weiß vielleicht noch, was das für ein ekelhaftes Gefühl ist. Aber ich habe es überlebt und bei dem klaren Wasser werde ich mir bestimmt auch keine Urzeitbakterien in’s Hirn gespült haben… Hoffe ich zumindest.

Anschließend haben wir uns dann wieder halbwegs geschickt entkleidet und uns wieder in unsere kuscheligen Klamotten geworfen. Nach dem Bezahlen und einem dicken Dankeschön sitzen wir wieder im Auto und fahren heute für den Rest des Tages nach Reykjavik. Auf dem Weg dorthin sehen wir am Straßenrand ein schwarz-weiß geschecktes Schaf. Und ich habe mich schon gefragt, warum der klassische Islandpullover schwarz-weiß ist… Und so etwas sieht man natürlich auch nur dann, wenn man mal keine Kamera dabei hat.

In Reykjavik selbst haben wir unser Auto an einer belebten Straße abgestellt und sind auf die Suche nach einem schönen Café gegangen – nach Möglichkeit mit WLAN. Nach ein paar Versuchen haben wir dann auch etwas Nettes gefunden und entspannen erst einmal bei Tee und Kuchen. Nebenbei schreiben wir ein paar elektronische Ansichtskarten, Strickvereinigungverschicken sie und irgendwo in Deutschland werden sie dann ausgedruckt und wieder mit der Post versandt. Technik.

Danach schlendern wir noch etwas weiter durch Reykjavik, werden in einem Wollwarengeschäft fündig und schauen uns noch das Wahrzeichen der Stadt an, die Hallgrímskirkja.

HallgrímskirkjaDie Hallgrímskirkja ist eine strahlend weiße Kirche die man mit Blick auf die Stadt immer recht schnell erkennt. Sie besteht komplett aus Beton und ihre pfeilerartige Struktur soll an Basaltsteine erinnern. Hallgrímskirkja IIHallgrímskirkja InnenEigentlich stehe ich Betonkirchen ja eher kritisch gegenüber, aber diese hier hat irgendwie etwas. Sie ist schön hell, schlicht und durch das Weiß fällt der Beton erst bei näherer Betrachtung auf. Auf jeden Fall ist diese Kirche hier weit schöner als die meisten, die wir hier gesehen haben. Vor der Kirche steht übrigens eine große Bronzestatue von Leif Eriksson, Leif Erikssondem Glücklichen. Der wohl berühmteste Sohn des Landes, der gut 500 Jahre vor Columbus Amerika entdeckt hat.

Anschließend ziehen wir zurück zum Auto, denn wir wollen noch den Stadtflughafen von Reykjavik suchen um einen Inlandsflug auf die Westmännerinseln zu Buchen. Den Flughafen finden wir relativ gut, nur kommen wir an der falschen Seite an, beziehungsweise an einem Gebäude der falschen Airline. Also noch einmal rund um das Fluggelände fahren und dann sind wir auch schon an der richtigen Stelle. Dort erfahren wir dann aber, das alle Flüge ausgebucht wären, oder zumindest all jene, die einem genug Zeit für die Erkundung der Insel lassen würde. Mit leicht gesenktem Haupt fahren wir dann noch einmal zum Gebäude der anderen Fluggesellschaft und buchen dort dann für Donnerstag eine geführte Tour in den Nordosten der Insel, rund um den See Myvatn – dessen Namensbedeutung uns zu jenem Zeitpunkt leider noch nicht bewusst war. Die Tour soll 12 Stunden dauern und wir sollten dafür früh aus den Federn kommen.

Gute Fahrt mit Olis!Hier lässt's sich tankenAber jetzt geht es erst einmal wieder nach Hause. Auf dem Weg dorthin tanken wir vorsichtshalber noch einmal. Danach ein bescheidenes Abendbrot, ein kleiner Spaziergang durch die nähere Umgebung am Abend bei strahlendem Sonnenschein. Danach unter die Dusche und so langsam wird das warme Wasser kalt. Ok, wir haben einen Warmwassererhitzer, der auch eingeschaltet werden will. Wieder etwas dazu gelernt.