We’ll run away together
We’ll spend some time forever
We’ll never feel bad anymore


Ein neuer Tag auf Island. Da wir die letzten Tage den größten Teil im Auto verbracht haben, wollen wir heute mal ein klein wenig wandern und haben uns dafür ein Tal am Ende unseres Fjordes Hvalfjörður ausgesucht. Am Ende des Tals wartet dort der mit 196 Metern höchste Wasserfall Islands auf uns, der Glymur. Nach dem kleinen Spaziergang wollten wir uns Akranes anschauen. Akranes liegt auf der anderen Seite des Hvalfjörður und über einen Tunnel, der beide Seiten verbindet, soll es wieder zurück gehen. Soweit der Plan.

Also haben wir erst einmal schön ausgeschlafen, gut gefrühstückt und uns dann auf den Weg gemacht.

LachsflußAuf dem Weg dorthin kamen wir an einem Fluß vorbei, der anscheinend für Angler sehr interessant war. Zumindest war das Gelände abgesperrt, mit dem Hinweis, dies sei einer der Lachsreichsten Flüsse und es sollen sich bitte 10 Angeln auf 22km verteilen. Mittlerweile wissen wir, daß manch ein Angler für eine Angelstelle auf Island um die 1000$ bezahlt. Pro Person. Pro Tag. Eine Packung Fischstäbchen an der frischen Luft verspeisen wäre bestimmt die billigere Alternative, aber wer weiß, vielleicht ist es das Geld sogar wert? Ich habe ja so meine Zweifel daran.

Wieder auf der Straße, folgten wir dem Fjord weiter. Mal direkt am Wasser und mal 100 Meter darüber. Streckenweise saßen Vögel am Straßenrand und haben in aller Ruhe Autos einen halben Meter an sich vorbei fahren lassen. Schräge Vögel.

Nach einer knappen halben Stunde erreichen wir dann das Ende des Fjords und eine kleine Schotterpiste führt in das Tal hinein. Weit kommen dann aber nicht, weil die Schlaglöcher hier mit jedem Meter größer werden. Also stellen wir wie andere vor uns auch das Auto am Straßenrand ab und starten hier schon unsere Wandertour zum Glymur.

Nach 500 Metern wäre dann auch der finale Parkplatz gekommen, aber dafür parke ich das Auto jetzt nicht noch einmal um. Am Parkplatz selbst ist ein großes Schild aufgestellt, welches alle Wanderwege und Ziele im Tal mit diversen Wegstationen anzeigt. Und nicht nur das, die einzelnen Wegpunkte sind dort mit den jeweiligen GPS-Positionen markiert. Das nenne ich mal fortschrittlich.

Drei weiße SpitzenBlick in's Tal und auf HvalfjörðurAber unser Weg an sich ist gut zu sehen und alle paar hundert Meter mit gelben Farbtupfern auf Steinen markiert. Das Tal ist hier relativ breit, aber an den Hängen zeigen sich teilweise steile Hänge. Das Tal ist gut bewachsen Sträuchern und Lupinen und am Ende des Tals schauen drei schneebedeckte Gipfel auf uns herab. Lupien unter'm BergLupien, Lupien, LupienHarte KanteMit dem blauen Himmel wäre dieser Ort ein wahre Idylle – wenn es da nicht diese unzähligen Mücken gäbe, die einem ständig um den Kopf oder dem Objektiv herum fliegen würden. Aber wenigstens sind es keine Stechmücken, sondern nur kleine Fliegen, die wahrscheinlich von den ganzen Lupinenfelder angezogen werden, durch die unser Weg führt.

Der Weg wird mit der Zeit mehr zu einem Pfad, aber die gelben Markierungen zeigen uns noch, daß wir auf dem richtigen Weg sind. Inklusive diverser Photopausen kommen wir nach knapp einer Stunde 40 Meter oberhalb eines Baches an, der anscheinend von Glymur kommt. Hier wird es zum ersten Mal ein wenig schwierig den richtigen Weg runter zum Bach zu finden. Am Hang, durch unzählige Sträucher, führen gleich mehrere Pfade nach unten. Von oben sehen wir unten ein Pärchen, welches scheinbar vor dem selben Problem auf ihrem Weg nach oben steht. Man orientiert sich aneinander, trifft sich in der Mitte, grüßt nett und der Rest des Weges ist nicht mehr das Problem.

Naß sein oder nicht naß seinIn die Kategorie „kleines Problem“ fällt eher der Baumstamm, der Wanderer trockenen Fußes auf die andere Seite bringen soll. Der Baumstamm wirkt zwar mit seinen gut 30cm Durchmesser recht solide, aber auf seiner Länge von etwa 8 Metern bietet nur ein loses Stahlseil an der Seite minimalen Halt. Sprich: Man kann das Seil als Führung nutzen, aber sich definitiv nicht daran festhalten. Das macht das Ganze dann tatsächlich zu einem richtigen Balanceakt. Und das noch mit dem ganzen Photokram auf dem Rücken.

Aber so ganz unsicheren Schrittes sind wir ja nun auch nicht und somit gelingt der Übergang dann doch trockenen Fußes und ohne Katastrophen. Aber ich hätte nicht unbedingt darauf wetten wollen… Zumal es ja noch einmal darüber zurück geht.

Blick in's TalMühevoller AufstiegAuf der anderen Seite weisen uns wenigstens wieder die farbigen Steine den Weg. Auch auf dieser Seite geht es durch Sträucher wieder nach oben. Nur, daß hier der Untergrund mehr aus losen Steinen und Staub besteht und man sich teilweise gut an Ästen und Wurzel festhalten muß, um voran zu kommen. Ab und zu führt der Pfad auch über Geröllfelder, bei denen man zwei Schritte vorwärts macht um sogleich wieder einen Schritt zurück zu rutschen.

GlymurAber irgendwann kommen wir auch hier wieder oberhalb des Bachs an und haben wieder vergleichsweise festen Boden unter den Füßen. Hier gibt es dankbarer Weise auch keine Mücken mehr. Grüne SchluchtUnd nun haben wir auch das erste Mal einen schönen Blick in die tiefe Spalte, in die der Glymur hineinfällt. Da er bei weitem nicht so viel Wasser führt wie der Gullfoss, hört man ihn auch nicht so sehr. Aber es ist dennoch ein ergreifender Anblick. Das Wasser fällt sanft über hundert Meter in die Tiefe und ein leichter Wassernebel durchzieht die enge Felsspalte. Zwischen den grünen Felswänden ziehen ruhig und anmutig Seemöwen ihre Kreise oder sie nisten auf kleinen Felskanten.

Allerdings vermissen wir nun die Wegmarkierungen. Nicht, daß es keine Wege gäbe. Das ist eher das Problem: mehrere Pfade führen über das Plateau in Richtung Wasserfall. Wasser in jeder SenkeManche führen durch Senken auf dem Plateau und sind vermeintlich schneller – wenn man in der Senke dann nicht vor einer 5 Meter großen und glatten Felswand stehen würde. Also wieder zurück nach oben und die Senken umlaufen, was locker eine dreiviertel Stunde mehr Zeit benötigt. Aber letzten Endes finden auch wir über die vielen Pfade den Weg zu einer imposanten Felsnase, die sich über die Schlucht streckt.

SchluchtBlick in's Tal IIVon hier hat man einen noch besseren Blick in die Schlucht. Mittlerweile hat es sich etwas zugezogen, aber gerade jetzt bricht ein Sonnenstrahl durch und erhellt die Schlucht kurz und die gesamte Gicht leuchtet wie ein großer Regenbogen. Klick. Postkartenmotiv. Nach gefühlten 1000 weiteren Bildern machen wir uns dann auch an die physische Stärkung und verköstigen uns mit Snickers.

Da sich am Himmel immer mehr dunkle Wolken zeigen, machen wir uns auch wieder auf den Rückweg. Von oben sehen wir wieder einen Pfad, der nun von der anderen Seite durch die eben erwähnte Senke führt. Also muß doch da irgendwie ein Weg entlang gehen. Um ein weiteres Mal den Umweg zu vermeiden gehen wir die Senke erneut an. Und tatsächlich führt der Pfad auch von dieser Seite herunter – allerdings knapp 20 Zentimeter breit und sehr nahe am Abgrund. Aber wir schaffen es und kommen mit ein paar wagemutigen Kletteraktionen unterhalb der besagten Felswand, an der wir zuvor gescheitert sind, wieder heraus und steigen auf der anderen Seite wieder hinauf. Von hier fällt es einem immer noch schwer, den gegangenen Weg zu nachzuvollziehen und ohne genau die Stellen zu kennen sieht man ihn tatsächlich nicht.

Aber nach dieser Aktion ist der weitere Weg über Geröll und staubig-rutschige Pfade fast eine Wohltat und selbst über den Baumstamm freuen wir uns schon fast erleichtert. Am Baumstamm selbst treffen wir noch ein anderes Pärchen und man tauscht sich ein paar Minuten gepflegt auf Englisch über den Weg aus um am Ende des Gesprächs festzustellen, daß man die gleiche Muttersprache spricht. Danach geht es wieder in aller Ruhe in Richtung Auto und selbst das Wetter hat sich wieder etwas aufgelockert und die Mücken sind auch hier verschwunden.

Wieder im Auto, verschnaufen wir erst einmal und stärken uns noch einmal mit einem Banänchen. Immerhin hat diese als kleine Wanderung geplante Tour fünf Stunde gedauert und der Reiseführer hätte für diese Strecke „alpine Kenntnisse“ empfohlen – wie wir im Nachhinein gelesen haben.

FrischeabteilungBananenbaumWieder etwas gestärkt und entspannt fahren wir dann doch noch nach Akranes weiter, da wir sowieso noch einkaufen müssen. Einen großen Supermarkt finden wir wie immer in einem Gewerbegebiet. Auch wenn das Angebot hier, wie in den anderen zuvor auch, unseren Produkten ähnlich ist, so weist dieser Korb'n RollLaden doch ein paar Unterschiede auf. Da sind zum Beispiel die Obst&Gemüse-Abteilung und die Fleischwaren, die in separaten Räumen zu finden sind und mit etwa 4°C eher Kühlkammern entsprechen. Für Bananen gibt es schicke Gestelle, an denen sie hängen und die Plastik-Einkaufskörbe lassen sich auf kleinen Rollen durch den Laden ziehen. Ulkig

BiohöllinNach dem Einkaufen fahren wir weiter in den Ort rein und suchen uns ein halbwegs nettes Restaurant zum Essen. Nachdem wir gesättigt und entspannt wieder auf die Straße treten, schauen wir uns noch ein wenig den Ort an sich an. Auffällig häufig sieht man hier mit Holz verkleidete Häuser wie in Schweden – die sich jedoch bei näherer Betrachtung als mit Wellblech verkleidete Häuser entpuppen. Klar, Holz gibt es hier nicht so häufig und bei Seeluft und extremer Witterung wird Wellblech schon die bessere Variante sein. Und von weitem sieht man wirklich keinen Unterschied. Hier gibt es auch ein Kino – hier Biohöllin genannt.

Aber auch wenn noch die Sonne scheint, machen wir uns dann doch wieder auf den Heimweg, denn morgen wird ja auch ein langer Tag. Going deeper undergroundAlso fahren wir wieder in Richtung Fjord und kommen auch schon im zweiten Versuch auf die Straße, die dann unter dem Fjord den kürzesten Weg nach Hause darstellt. Nach einer Gebühr von 900kr. führt uns der Tunnel 165 Meter unter dem Meeresspiegel auf die andere Seite und es gibt auf der Strecke etliche Blitzer – die zum Glück bei 15km/h zu schnellem Fahren (bei erlaubten 70km/h?) noch nicht auslösen. Beim Abwärtsfahren im dunklen merkt man gar nicht wie schnell man ist…
Der ADAC hat diesen Tunnel übrigens zum schlechtesten Tunnel im internationalen europäischen Vergleich gekürt. Naja, wir sind gut durchgekommen.

Wieder zu Hause gehen wir gerade noch duschen, stellen uns den Wecker für den nächsten Tag und fallen danach nur noch in’s Bett.