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Heute heißt es früh aufstehen, denn um 07:15Uhr geht unser Flieger von Reykjavik aus nach Akureyri im Norden Islands, um an einer geführten Tour zum See Mývatn teil zu nehmen. Also raus aus den Federn, schnell ein paar Brote schmieren und ab ins Auto. Die Fahrt zum Flughafen ist ruhig und mittlerweile wissen wir ja auch wo sich der Flughafen befindet.

Da wir etwas zu früh sind, warten wir etwas in der Flughafenhalle, die auch ein größeres Wohnzimmer sein könnte. Der Checkin beginnt mit dem Kaffee, den sich die Flughafenmitarbeiter mitbringen und sich damit hinter die Schalter setzen. Drei Schalter stehen zur Verfügung und nach einer kurzen Zeit wird man zu irgendeinem Schalter gewunken – alle für einen, einer für alle. Danach geht es in den nächsten Raum mit ein paar Bänken und Getränkeautomaten und dort warten wir dann mit den anderen Fluggästen auf den Aufruf. Nach etwa 15 Minuten ist es dann auch so weit und die meisten Anwesenden erheben sich und gehen zum Ausgang in Richtung Flugfeld. Dazwischen steht dann nur noch eine Dame, welche die Tickets kontrolliert – aber es wirkt eher wie der Eintritt in ein alternatives Kino.

Fokker 50GateAuf dem Rollfeld kommen wir dann nach ein paar Minuten Fußweg zu unserem Flieger. Wir fliegen mit einer Propellermaschine vom Typ Fokker 50. Spannend. Aber letzten Endes ist es eine Maschine wie jede andere, nur etwas kleiner und auch etwas lauter – was aber auch daran liegen kann, daß wir direkt an den Triebwerken sitzen.

Das Flugzeug ist gut gefüllt und unterwegs gibt es sogar noch Kaffee für all jene, die es brauchen. Der Flug dauert etwa 45 Minuten und wir überfliegen größtenteils Ödnis und Gletscherlandschaften. Der Flughafen von Akureyri ist direkt in den hinteren Teil des Fjords gebaut und bei der Landung hat man einen guten Blick über den Fjord und die Stadt.

Direkt nach der Landung werden wir auch schon von unserem Guide namens Björn abgefangen und zum Glück stehen unsere Namen auf seiner Liste. Somit sollte schon mal nichts schief gehen. Nachdem dann alle Tourteilnehmer eingesammelt sind, geht es zu einem kleinen Bus, der uns in die Stadt fährt, wo dann noch ein paar weitere Teilnehmer aufgesammelt werden sollen. Dort stellt sich dann allerdings heraus, daß wir eine Person zu viel für den Kleinbus sind und nach zehn Minuten steht uns dann ein normaler Reisebus für die Fahrt zur Verfügung. Dort platzieren wir uns relativ weit vorne und haben damit immer einen guten Blick über die Landschaft.

Der Bus fährt als erstes auf die andere Seite des Fjords, hält dort kurz und man hat einen guten Blick auf die Stadt. Mit rund 17.000 Einwohnern ist Akureyri die größte Stadt im Norden Islands und somit schwingen bei Björns Umschreibungen immer etwas Stolz mit. Die Stadt lebt größtenteils von etwas Industrie, Fischerei und Tourismus. Außerdem scheint es noch einige Farmen um Umland zu geben. Eine Schönheit ist die Stadt aber nicht.
Weiter geht die Tour in die Berge in Richtung Osten. Unterwegs kommen wir an einem See vorbei, zu dem Björn uns erklärt, daß dort, wenn er im Winter gefroren wäre, die Bewohner aus der Umgebung Wintersport betreiben würden. Schlittschuhfahren, Eishockey oder Curling – denken wir. Weit gefehlt, denn auf dem Eis fahren die Isländer dann Rennen mit allem was sich motorisiert und schnell bewegt. Die Winter hier müssen wirklich trist sein…

GoðafossNun geht die Fahrt zum Goðafoss. Der Goðafoss ist ein Wasserfall, der seinen Namen erhielt, als ein Isländer im Jahre 1000 nach der beschlossenen Übernahme des Christentums all seine heidnischen Statuen nahm und diese in den Wasserfall warf. Daher der Name Goðafoss – Götterwasserfall. Auf dem Weg dorthin erfahren wir unter anderem noch etwas über den isländischen Waldbestand. Heute sind etwa 1-2% der Fläche Islands mit Bäumen bedeckt, aber früher, vor der Landnahme Islands, scheint die Insel tatsächlich größtenteils mit Wald bedeckt gewesen zu sein. Jedoch hat sich das mit der Besiedelung durch den Menschen schnell geändert, da er das Holz für Feuer benötigte und Weidevieh die jungen Triebe abfraß. Richtig hohe Bäume scheint es aber auch damals nicht gegeben zu haben – eher verwachsene Pflanzen bis zu ein paar Metern Höhe, welche aber für den Schiffsbau ungeeignet waren. Neben diesen Informationen erhalten wir dann noch einen Ratschlag, für den Fall, daß wir uns einmal in einem isländischen Wald verlaufen sollten: Aufstehen.

Der Goðafoss an sich ist auch recht imposant, jedoch nicht so mächtig wie der Gulfoss und nicht so schön wie der Glymur. Jedoch fällt das Wasser hier kreisförmig in einen Kessel und zeigt durchaus seine Kraft. Zudem ist die historische Komponente des Wasserfalls auch etwas ergreifend.

Nach einer halben Stunde Aufenthalt geht es wieder zurück in den Bus und als dann endlich auch alle Teilnehmer wieder aus dem Tourishop gekommen sind, geht die Fahrt auch schon weiter. Unterwegs frage ich Björn, ob auf Island denn noch den alten Göttern gehuldigt wird. Eigentlich nicht, so die Antwort. Allerdings zelebriert man teilweise noch alte Bräuche – aus Gewohnheit oder weil es einfach Spaß macht. Warum soll man auch Dinge aufgeben, die lustig sind?

Unser nächstes Ziel ist dann der Mývatn. Dieser See hat seinen Namen daher, weil man im Sommer schwarze Wolken aus kleinen Mücken über den See beobachten kann – aber das wäre erst in zwei Wochen so weit. Das mit den unzähligen Mücken hat seine Ursache daher, daß der See gerade mal 1,5 Meter tief ist und sich dadurch im Sommer schnell erwärmt und somit Mückenlarven optimal gedeihen lässt. Das führt dann nicht nur zu den Unmengen an Mücken, sondern auch zu einem hohen Fischreichtum und der Wiederum zu einer großen Vielfalt an Vögeln in der Umgebung, was den See wieder zu einem Paradies für Ornithologen macht. Der Kreislauf des Lebens.

PseudokraterUnser Ziel sind aber weniger die Vögel, sondern so genannte Pseudokrater, die die Landschaft zieren. Diese Krater können einen Durchmesser von 50 Metern oder mehr erreichen und entstehen, wenn Magma auf Wasser trifft, dieses schlagartig verdampft und durch die frei gewordenen Energie Gestein und Erde weg sprengt. Ich kann es mir ja selbst nicht ganz vorstellen, was das für eine Explosion sein soll, bei der alleine durch Wasserdampf ein Krater von 50 Metern Durchmesser entsteht. Aber so sollen diese hier entstanden sein.

Als wir dann bei den Kratern ankommen, erinnern uns die gefühlten hundert Mücken im Gesicht wieder daran, woher der See seinen Namen hat. Wie war das – in zwei Wochen ist es am schlimmsten? Das Gefühl ist ja jetzt schon äußerst unangenehm und man verkneift sich unnötiges Sprechen oder lange Atemzüge. Sich sein Kopftuch über das gesamte Gesicht zu ziehen ist zwar auch etwas unangenehm, aber wenigstens stören einen die Mücken dann nicht. So präpariert kann man sich dann auch wieder den Kratern widmen. Ein Rundgang führt durch viele dieser Krater und wenn man an deren Rand steht, so ist es noch schwerer sich die Wucht der Explosionen vorzustellen. Trotz aller Faszination bewältigt man den Rundgang aufgrund der fliegenden Plage dann doch mit erhöhtem Tempo um am Ende wieder gut isoliert vor Mücken im Bus zu sitzen. Wenn in zwei Wochen die Schwärme hier sind, will ich weit, sehr weit weg sein. Aber man muß es positiv sehen: durch die vielen Mücken sind die Reisenden allesamt vor der vereinbarten Zeit wieder im Bus.

MývatnUnser nächster Halt ist nur ein paar Kilometer entfernt und bietet einen netten Blick auf den See mit bizarren Felsformationen und einer Insel mit Bäumen drauf. Dieser Ort ist das klassische Postkartenmotiv vom Mývatn, aber vom Hocker reißt es einen jetzt auch nicht. Vielleicht liegt es daran, daß das Wetter auch etwas bewölkt und kühl ist. Wenigstens waren hier die Mücken schon nicht mehr so zahlreich und man konnte wieder tief Luft holen.

HverfjallDanach fahren wir wieder etwas weiter am See entlang bis zu einem kleinen Ort, an dem wir eine längere Pause machen. Gleichzeitig verlassen uns hier zwei aus der Gruppe, weil sie eine etwas andere Tour gebucht hatten. Wir machen hier also unsere Rast und verspeisen unsere selbst geschmierten Stullen. Etwa hundert Meter entfernt von dem Parkplatz gibt es wieder tiefere Spalten, die sich durch die Landschaft ziehen und man kann auch hier erneut von Eurasien nach Amerika hüpfen und wieder zurück. Und in der Ferne sieht man einen schönen klassischen schwarzen Vulkankegel, auf dessen Rand man mit dem Tele auch Menschen laufen gehen sehen kann. Vielleicht führt uns die Tour ja auch dort noch hin?

Zu vereinbarten Zeit treffen wir uns wieder alle am Bus – bis auf einen älteren Schweden, der 10 Minuten später aus eine Geschäft heraus gestürmt kommt, da er noch ein Souvenir für seine Gemahlin brauchte.

DimmuborgirAlso vollzählig geht es wieder weiter. Zu den Dimmuborgir – den „Dark Castles“. Dimmuborgir ist ein Lavafeld voller äußerst bizarrer und dunkler Felsformationen. Manchmal erinnern diese Skulpturen tatsächlich an abgebrannte Ruinen, aber teilweise meint man auch versteinerte Riesen und andere Gestalten darin zu erkennen. Das ist wohl auch der Hauptgrund, warum auf Island Dimmuborgir auch als Heim der Trolle und Elfen angesehen wird. Übrigens unterscheidet sich der isländische Troll vom skandinavischen Troll – an die Unterschiede kann ich mich aber auch nicht mehr erinnern. Auf jeden Fall machen wir mit Björn eine Runde durch all die Riesen, Trolle und Burgruinen. Björn ist auch überzeugt davon, daß einige Trolle ihm immer einen ausgestreckten Mittelfinger (Effe) zeigen. Troll-EffeNach ein paar Minuten beschleicht mich das selbe Gefühl. Obwohl Björn einen recht aufgeschlossen Eindruck auf uns macht, so glaubt er doch ein wenig an die Existenz von Trollen – und ich kann es ihm nicht verübeln. Alleine in den Jahreszeiten, wo sich mehr Dunkelheit und Schatten über Dimmuborgir ausbreiten, würde man an jeder Ecke ein vermeintlich lebendige Gestalt erblicken. Und das auch ganz ohne Met oder sonstige Rauschmittel.

Von einer Stelle aus sehen wir wieder den großen Vulkankegel, dessen Name Hverfjall ist. Von seiner Art gibt es weltweit nur wenige, wie zum Beispiel auf Hawaii oder in Oregon, USA. Leider würde heute nicht die Zeit reichen um sich dem Vulkan zu widmen. Schade eigentlich. Aber der Anblick von der Ferne ist auch schon schön und imposant.

Weiter geht die Fahrt wieder mit dem Bus zu einer Spalte. Auch hier steigen wir wieder aus und beschauen die aufgebrochene Erde. Das besondere an dieser Stelle ist, daß die Kontinentalspalte hier die Erde empor gehoben hat und sich darunter eine kleine Höhle gebildet hat, in der recht warmes Wasser ist. An dieser Stelle geht Björn auch noch einmal auf das Auseinanderdriften der Kontinentalplatten ein und verweist auf den tollkühnen Plan der Isländer, irgendwann einmal den größten Kontinent der Welt bilden zu wollen. Bei einer Ausbreitungsgeschwindigkeit von etwa 2 Zentimeter pro Jahr aber auch kein unmögliches Vorhaben.

Unter DampfDie nächste Station ist ein Schwefelfeld. Es ist von der Fläche her etwas größer als Seltún, aber Seltún war irgendwie schöner, kraftvoller mit mehr Farbenvielfalt – wobei rein vom Gestank geruchsmäßig es Seltún in nichts nachsteht. Björn ist ja der Meinung, der Geruch sei gesund, aber angesichts des erneuten Stechens im Hinterkopf habe ich meine Zweifel daran.

Anschließend fahren wir weiter durch eine Geothermalanlage und erfahren, daß diese Anlagen nach ihrer Nutzung komplett zurück- und abgebaut werden müssen. Finde ich gut, denn somit erhält man die, wenn auch karge, Natur und für den Tourismus wäre es wenig förderlich, irgendwelche verfallenen Industrieanlagen in der Landschaft stehen zu haben.

Die Anlage selbst steht inmitten des Vulkansystems des Krafla, das mit dem Katla und dem Hekla zu den mächtigsten Islands gehört und daher sicherlich gut geeignet für die Energiegewinnung ist. Wir fahren unter ein paar Rohren hindurch, die Björn auch als Gates of Hell„Gates of Hell“ bezeichnet, da das Gelände dahinter wohl auch Hölle genannt wird. An manchen Stellen steigt zwar Dampf aus der Erde hoch, aber an sich sieht alles recht hell und unscheinbar aus. Wir fahren auf einen Hügel und haben dort Ausblick auf einen mit Wasser gefüllten Krater. Das Wasser ist schön blau und hebt sich gut vom hellen Krater ab. Eine Seite des Kraters ist auch noch gut mit Schnee bedeckt. Die Höhe, der bewölkte Himmel und der Wind lassen einen dann doch etwas frösteln und somit geht es nach ein paar Minuten schon wieder zurück in den warmen Bus.

Unser nächstes Ziel ist ein Schwimmbad, das wie die Blaue Lagune das Abwasser der Thermalkraftwerke nutzt und ebenso ein wunderbar blaues Wasser hat. Allerdings mischt sich bei dem Wasser hier auch der Geruch von Schwefel und davon haben wir mittlerweile wirklich genug gehabt und es steht uns nicht wirklich der Sinn danach, auch noch darin zu Baden. Aber wir hätten hier auch alles Nötige wie Badehose, Handtuch, etc. bekommen. Wir trinken also hier in Ruhe einen Tee, essen wieder unsere Brote und schauen den anderen Badegästen beim Baden zu.

Irgendwann gehen wir auch wieder etwas nach draußen, aber nicht allzu weit, denn da Wetter bleibt unangenehm. Dafür sehen wir, daß vor dem Bad ein neuer Bordstein verlegt wird – mit Warmwasserleitungen darunter. Mitten in der Wildnis. Aber warmes Wasser gibt es auf Island eben an jeder Ecke und warum soll man es dann auch nicht nutzen?

Als wieder alle im Bus sind, geht es wieder zurück nach Akureyri. Auf dem Weg dorthin unterhalten wir uns alle noch sehr gut mit Björn und erfahren doch noch viele interessante Dinge über Island und seine Bewohner. Zum Beispiel, das aufgrund der niedrigen Energiepreise hier sehr energieintensive Industriezweige wie die Aluminiumproduktion ansässig sind. Auch Rechenzentren soll es hier mehrere geben.

TableaubergEbenso interessant war die Erzählung über die sogenannten „Tableauberge“ in Island. Charakteristisch für diese Berge sind steile Hänge, jedoch mit einem flachen Plateau auf der Spitze. Es sind Vulkane, die während der Eiszeit ausgebrochen sind – aber nicht die Eisdecke durchbrechen konnten, sondern an deren Unterseite direkt erkalteten. Ein Vulkanausbruch an sich ist ja schon eine Naturgewalt für sich, aber sich dazu noch eine Eisschicht vorzustellen, die so dick ist, das sie heißer Magma standhält ist nicht minder beeindruckend. Das ist Island.

Erschlagen von der ganzen Tour kommen wir dann wieder am Flughafen in Akureyri an und unser Flug geht in knapp 1,5 Stunden. Wir vertreiben uns die Zeit in der Wartehalle. Mit dabei ist auch ein US-Amerikaner – Ernest aus Pennsylvania, der uns während der Tour verlassen hat, um Whalewachting zu machen. Stolz zeigt er uns dann auch ein Bild, auf dem etwas graues unscharfes 100 Meter entfernt im Wasser zu sehen ist. Und sehr kalt soll es dabei auch noch gewesen sein. Ich weiß schon, warum mich das nicht sonderlich gereizt hat. Das Phallusmuseum in Húsavík hat er auch besucht – und packt wie auf ein Stichwort sein 500mm Objektiv auf den Tisch. Bingo. Generell versteht man den guten Mann sehr schlecht, weil er sich seines schwer verständlichen Dialekts wohl nicht wirklich bewußt ist. Und das ist wirklich deprimierend, denn bis dahin konnte ich wirklich jeden auf der Reise sehr gut verstehen und mich verständigen.

Aber irgendwann kommt der Abflug und wir kommen wieder wohlbehalten in Reykjavik an. Dort steigen wir direkt in’s Auto, Essen noch etwas Kleines unterwegs bei Subways und pflanzen uns zu Hause bei Tee und Chips auf die Couch und lassen den Tag noch einmal Revue passieren.