We’ll never feel bad anymore
No no
We’ll never feel bad anymore
No no
No no
No no


In jedem Urlaub kommt irgendwann einmal der Punkt, an dem sich auch die schönste Zeit dem Ende neigt. Und bei uns ist es nicht anders. Morgen geht in der Frühe der Flieger, daß heißt heute Abend ist Packen angesagt, das Haus noch einmal besenrein machen und früh zu Bett gehen.

Da wir gestern schon den ganzen Tag über viel gesehen haben, machen wir heute einfach noch einmal einen Ausflug nach Reykjavik, gehen dort shoppen und schauen uns noch einmal in aller Ruhe die Hauptstadt an.

Wir frühstücken gemütlich, räumen hier und da schon einmal ein paar Sachen zusammen und fahren dann in Richtung Süden.
Heute ist auch ein besonderer Tag: der längste Tag im Jahr, was gerade in Skandinavien ja eine recht hohe Bedeutung hat. Für uns hingegen wirkt es nicht sonderlich aufregend, denn immerhin verbringen wir hier schon die längste Woche (nach Sonnenstunden gerechnet) unseres Lebens. An Mittsommer mag es denn auch liegen, daß auf den Straßen verstärkt die Polizei kontrolliert um eventuell schon ein paar angeheiterte Wikinger aus dem Straßenverkehr zu ziehen.

Unsere erste Anlaufstation liegt noch etwas außerhalb von Reykjavik in einem Gewerbegebiet, in dem, wie sollte es auch anders sein, auch IKEA zu finden ist. Unser Ziel ist aber ein isländisches Bekleidungsgeschäft, denn die letzten Winter waren nicht ohne und einen Isländerpullover mitzunehmen ist ja schon fast Ehrensache. Und warme Winterjacken wird es hier ja wohl auch geben. Und das alles noch bei 15% Rückerstattung beim Zoll – da lacht die Shoppingseele.

Nach erfolgreicher Konsumtour und der Stützung der isländischen Wirtschaft geht es weiter in Richtung Reykjavik zum Perlan, dem Warmwasserspeicher der Stadt. Perlan ist nicht nur ein schickes Gebäude mit einem guten Blick über die gesamte Stadt, sondern versorgt sie auch mit warmen Wasser und die Gehwege und Straßen der Stadt gleich mit dazu und sparen sich somit größtenteils das Schneeschippen.

Primär interessiert uns hier aber dann doch der AusblickBlick über Reykjavik über die Stadt und das dazu gehörige Restaurant. Das angegliederte Geschäft für Weihnachtsschnickschnack sparen wir uns allerdings.Weihnachtsnippes im Sommer

Anschließend fahren wir in die Stadt hinein und parken in der Nähe der Hallgrímskirkja. Diese erstrahlt wie immer leuchtend weiß in der Sonne und schreit förmlich danach noch einmal von allen Seiten photographiert zu werden. 100 Aufnahmen später geht es weiter in die Stadt hinein, um in einem Strickwarengeschäft noch einmal kurz die Diebstahlsicherung entfernen zu lassen, die wir unbeabsichtigt vor ein paar Tagen mit erworben haben. Immerhin sähe das spätestens beim Zoll ein wenig seltsam aus.

StofanDeath-by-chocolateDanach setzen wir unseren Spaziergang durch die Stadt fort, schauen hier und dort mal hinein und landen dann in einem kleinen Café namens Stofan. Eingerichtet ist das Café wie Omas Wohnzimmer und der Clou dabei ist, jede Sitzecke entspricht praktisch einer Oma aus jedem Jahrzehnt. Somit lassen sich nahezu alle Stilrichtung seit den Zwanzigern in Form von Café mit StilMusik aus der ModerneStühlen, Sesseln, Lampen und gar Tapeten wieder finden. Wir entscheiden uns für die frühe Ledercouchkombination und genießen das Ambiente bei Kaffee und Kuchen.

Nachdem wir hier wieder etwas zu Kräften gekommen sind, ziehen wir weiter durch die Stadt und kommen an der Russische Botschaft"K. Mustermann"russischen Botschaft vorbei. Das Anwesen sieht von außen beinahe wie ein gewöhnliches Einfamilienhaus aus, welches gerade zu Zeiten des kalten Krieges aber sicherlich Schauplatz und Drehpunkt mancher Aktionen der ehemaligen UDSSR war. An die alten Zeiten von Spionen im Agenten-FuhrparkReykjavik StadtwappenNebel erinnert heute aber nur noch der Fuhrpark, bestehend aus alten Jaguars und einem Klingelschild mit dem originellen Decknamen „K. Mustermann“.

Anschließend sind wir wieder in Richtung Innenstadt gelaufen und beim Rathaus heraus gekommen. Von außen wird das Gebäude von Enten und Gänsen belagert, während drinnen sich nur ein paar Touristen tummelten. Den Enten und GänseMiniatur-Islandderzeit amtierenden Oberbürgermeister Jón Gnarr (Wahlprogramm 2010: „1. Offene statt heimliche Korruption. – 2. Kostenlose Handtücher für alle Schwimmbäder. – 3. Ein Eisbär für Reykjavíks Zoo.“) haben wir dort leider nicht angetroffen, aber wenigstens haben wir dort ein recht großes Modell von Island bewundern dürfen, Von wegen, kein Moosan dem man alles hier Gesehene noch einmal in klein Revue passieren lassen konnte. Nett anzusehen war auch eine Seite des Rathauses, an welcher Moos über die gesamte Wand wuchs und Wassertropfen daran hinunter liefen.
Aber da wir noch unsere Koffer zu packen hatten, beschlossen wir an dieser Stelle uns nun wieder auf den Rückweg zu machen.

Wilde PferdeSchafsgedankenBei der Ankunft an der Hütte nieselte es leicht, aber das war das zweite Mal in jener Woche, in der wir Regen hatten. Die Wildpferde auf der Koppel schienen sogar Gefallen daran gehabt zu haben, da sie wie wild über die Wiese rannten und um sich gegenseitig zu behaupten. Die Schafe hingegen standen nur still im Hintergrund und haben sich wahrscheinlich ihren eigenen Teil dazu gedacht. Aber es half nichts: Koffer packen und das Haus noch einmal durchfegen und dann konnten wir auch noch die letzten Momente am letzten Urlaubstag genießen.

Ein paar Nachbarn feierten Mittsommer, aber ansonsten haben wir davon nicht viel mitbekommen. Als wir am nächsten Morgen früh aus dem Haus gegangen sind, sah man zwei junge Männer in Badehosen über die Wiese rennen – aber das gehört wahrscheinlich zu den alten Traditionen, die man aus Spaß an der Freude wohl nicht aufgibt. Also, das Auto wurde gepackt, ein letzter Blick in’s Haus, abschließen und den Schlüssel wieder in dem tollen Safe verstauen und ab geht’s in Richtung Flughafen.

Traditionell sind wir relativ früh unterwegs und so kommt es, daß man zur frühen Stunde auch ein paar Schafe auf Straße sieht und eben nicht nur wie bisher am Straßenrand. Gemeiner Weise kommt dann auch noch hinzu, daß sie sich direkt auf den weißen Streifen gelegt haben – was ich ihnen aber auch nicht verübeln kann. Auf jeden Fall haben wir sie noch rechtzeitig erkannt und die Schafe mussten auch nicht lange dazu überredet werden, die Straße doch wieder zu verlassen.

Leifur EirikssonWie zu erwarten sind wir ohne Probleme zum Flughafen gekommen, an dem wir auch unser Auto wieder abgeben mussten. Leider stellte sich dort heraus, das wir zum einen an der Kreditkarten-Tankstelle gescheitert sind und zum zweiten die Auto-Niederlassung eine halbe Stunde zu spät von zwei recht jungen und verzecht aussehenden Mitarbeitern eröffnet wurde. An manchen Stellen scheint Mittsommer doch eher exzessiv gefeiert worden zu sein. Aber dafür sind wir ja eben auch rechtzeitig losgefahren. Nachdem wir dann erfolgreich unser Auto abgegeben haben, ging es in den Terminal. Dank moderner Technik ging das Einchecken und Gepäck aufgeben recht zügig und wir hatten noch genug Zeit um unsere isländischen Wollwaren an dem dafür zuständigen Schalter zu deklarieren.
„Ach, wir hätten ihnen die Pullis auch zeigen sollen? Die sind jetzt leider schon aufgegeben…“

Aber da wir anscheinend einen recht vertrauenswürdigen Eindruck machen, beglaubigt der zuständige Beamte uns die Waren auch so.
Hinter den Sicherheitskontrollen muß man dann noch den Schalter der Landesbank aufsuchen, an dem sich manche Leute meinen, sich mal eben so vordrängen zu müssen, aber man hat ja schließlich Zeit. Nach dem ausfüllen diverser Formulare ist nun alles erledigt und wir schlendern etwas durch die Halle und warten bei einem kleinen Snack auf unseren Flieger.

Auch hier klappt alles reibungslos. Wir sitzen in sehr angenehmen Maschinen von IslandAir und freuen uns schon auf unser nächstes Ziel: Stockholm. Dennoch werfen wir noch einen letzten, leicht wehmütigen Blick durch die Fenster, sehen sogar noch den Eyjafjallajökull, und denken uns, das war bestimmt nicht die letzte Reise nach Island. Bless Ísland.